Lebererkrankungen

Die Bedeutung von Lebererkrankungen nimmt in unserer Gesellschaft seit Jahren kontinuierlich zu. Mit ein Grund dafür ist, dass viele Lebererkrankungen wie beispielsweise die Hepatitis, aber auch die cholestatischen Lebererkrankungen chronisch verlaufen und schließlich in einer Leberzirrhose münden. Dann drohen dem Patienten Komplikationen, die seine körperliche, aber auch seine geistigen Fähigkeiten erheblich einschränken, wie zum Beispiel die sogenannte hepatische Enzephalopathie.
Die therapeutischen Möglichkeiten bei mit Gallenstau einhergehenden chronischen Lebererkrankungen sind nach wie vor begrenzt.
Umso mehr müssen alle Chancen genutzt werden, um die Notwendigkeit einer Lebertransplantation möglichst abzuwenden.

Hepatitis

Eine Hepatitis (Leberentzündung) kann verschiedene Ursachen haben. Sie kann durch Giftstoffe und insbesondere durch Alkohol ausgelöst werden. Die Hauptursache dürften jedoch Infektionen durch Viren sein. Abhängig vom jeweiligen Krankheitsverlauf und vom Virustyp, der der Infektion zugrunde liegt, unterscheidet man verschiedene Krankheitsformen, die Hepatitis A, B, C oder D. Hepatitis A und D verlaufen akut, bei der Hepatitis B und C ist vor allem der chronische Verlauf gefürchtet. Dieser droht, wenn das Virus nicht vom Immunsystem eliminiert werden kann.
Etwa zehn Prozent aller Infizierten entwickeln einen solchen chronischen Verlauf. Er mündet in wiederum zehn Prozent der Fälle in eine Leberzirrhose. Die chronische Infektion kann aber auch den Leberkrebs zur Folge haben.
Bei der chronischen Hepatitis wird vor allem mit Interferon sowie Virostatika, also Medikamente, die die Viren in ihrer Vermehrung hemmen, behandelt. Besser ist es, der Infektion konsequent vorzubeugen. Bei der Hepatitis B ist dies mit Hilfe einer Impfung möglich. Bei der Hepatitis C gibt es eine solche Schutzmöglichkeit jedoch nicht.
Drei Ziele herrschen vor bei der Behandlung der Hepatitis C: Bei frischer Infektion gilt es, die Chronifizierung zu verhindern. Ist diese schon eingetreten, sollte man alle Anstrengungen darauf richten, das Virus zu eliminieren. Als optimal, und mit Heilung gleichzusetzen, gilt dabei das Erreichen einer " sustained virological response " (SVR), das heißt die fehlende Nachweisbarkeit von Virus RNA in einem Abstand von 24 Wochen nach Beendigung der Therapie. Das dritte Ziel besteht darin, die Spätkomplikation der Hepatitis C zu vermeiden, nämlich Lebercirrhose und Leberzellcarcinom, oder aber im Falle einer schon eingetretenen Leberfibrose eine Progression zu verhindern oder gar eine Regression einzuleiten.

Akute Hepatitis C- Frühe Behandlung steigert Therapieerfolg.
Anti HCV bleibt in der ersten Phase negativ, ein positiver Antikörper Test ist erst nach zwei bis drei Monaten zu erwarten. Hingegen lässt sich HCV RNA bereits nach zwei bis vier Wochen im Blut nachweisen. Um zu verhindern, dass aus einer akuten HCV Infektion eine chronische Hepatitis wird, was ohne Therapie bei 50-80% der Infizierten geschieht, muss frühzeitig eingegriffen werden, denn spätestens nach sechs Monaten sind die Würfel gefallen. Und die Erfolgsraten der Therapie der chronischen Hepatitis C sind zwar Dank des Einsatzes von pegyliertem Interferon Alpha in Kombination mit Ribavirin auf bis zu 61 Prozent gestiegen, aber nach wie vor gelingt nicht bei jedem Betroffenen die Virus Elimination. Ist ein Patient nach sechs Monaten nicht seronegativ geworden, wird Interferon und Ribavirin abgesetzt.

Cholestatische Leberkrankungen

Chronisch verlaufen auch die cholestatischen Lebererkrankungen, also Erkrankungen, bei denen sich die Gallenflüssigkeit in der Leber staut. Das hat Schädigungen der Leberzellen und meist im Laufe der Zeit eine Leberzirrhose zur Folge. Bei den cholestatischen Lebererkrankungen handelt es sich um vergleichsweise seltene Krankheitsbilder, doch nimmt ihre Häufigkeit seit einigen Jahren aus ungeklärten Gründen kontinuierlich zu. Als Ursache werden immunologische Phänomene vermutet, denn die cholestatischen Lebererkrankungen werden im allgemeinen den Autoimmunkrankheiten zugeordnet. Auf zwei besonders wichtige Krankheitstypen soll hier eingegangen werden, die sogenannte Primär Biliäre Zirrhose, abgekürzt als PBC sowie die Primär Sklerosierende Cholangitis, kurz PSC.

Primär Biliäre Zirrhose (PBC)

Die PBC tritt bevorzugt bei Frauen nach dem 35. bis 40. Lebensjahr auf. Sie verläuft zunächst ohne größere Beschwerden, abgesehen von einer erhöhten Müdigkeit und gelegentlichem Juckreiz. Nicht selten wird die Erkrankung zufällig entdeckt, weil bei anderen Untersuchungen erhöhte Leberwerte auffallen. Schreitet die Stauung der Gallenflüssigkeit fort (Cholestase) so entwickeln sich typische Veränderungen wie eine Dunkelfärbung des Urins bei gleichzeitiger Hellfärbung des Stuhls. Die Patienten leiden stärker unter Juckreiz, später auch unter Müdigkeit und einer abnehmenden Leistungsfähigkeit und eventuell auch unter Gelenkbeschwerden. Definitive Heilungsmöglichkeiten der PBC sind - abgesehen von einer Lebertransplantation - nicht bekannt. Dennoch gibt es seit einigen Jahren gute Behandlungsmöglichkeiten. Denn es hat sich gezeigt, dass eine Therapie mit der körpereigenen Gallensäure Ursodeoxycholsäure nicht nur die Symptome der PBC lindert, sondern auch die mikroskopisch fassbaren Zellveränderungen bessern kann. Neuere Studien belegen darüber hinaus, dass Ursodeoxycholsäure einen sehr günstigen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung nimmt und die Zeit bis zum Notwendigwerden einer Lebertransplantation deutlich hinauszögert. Ursodeoxycholsäure scheint dabei den Fluss der Gallenflüssigkeit (Cholerese) zu forcieren und so die Gallenstauung zumindest partiell zu bessern. Sie bewirkt außerdem eine günstige Verschiebung des gesamten Gallensäurespektrums in der Gallenflüssigkeit. Sie nimmt dieser damit einen Teil der aggressiven Wirkung, die von anderen Gallensäuren ausgeht, und bewirkt auf diesem Weg eine Art Zellschutz für die Leberzellen.
Noch besser sind die Behandlungsergebnisse, wenn Ursodeoxycholsäure in Kombination mit einem Kortisonpräparat gegeben wird. Eine besonders günstige Behandlungsoption scheint neueren Studien zufolge die Kombination der Gallensäure mit dem Wirkstoff Budesonid zu sein. Beim Budesonid handelt es sich um ein besonderes Kortisonpräparat, das lokal in der Leber wirksam ist und anschließend sofort abgebaut wird. Die Belastung des Organismus mit Kortison ist dadurch äußerst gering, was die auffallend niedrige Rate an Nebenwirkungen unter Budesonid im Vergleich zur herkömmlichen Kortisongabe erklärt.

Primär Sklerosierende Cholangitis (PBS)

Die PSC tritt bevorzugt bei Männern auf und zwar meist zwischen dem 25. Und dem 40. Lebensjahr. Es handelt sich um eine Entzündung der Gallengänge, die schließlich zu deren Verengung führt und dadurch einen Stau der Gallenflüssigkeit (Cholestase) hervorruft. Da die Gallenflüssigkeit auch aggressive Gallensäuren enthält, sind Schädigungen der Leberzellen und schließlich der Untergang von Lebergewebe die Folge, es bildet sich eine Leberzirrhose aus.
Die Erkrankung verläuft zunächst jahrelang klinisch stumm, also ohne besondere Beschwerden. Sie wird oft zufällig durch Veränderungen der Leberwerte entdeckt, im fortgeschrittenen Stadium leiden die Patienten unter Müdigkeit, Juckreiz und eventuell auch unter Übelkeit. Deutlich gebessert werden diese Beschwerden unter einer Behandlung mit der körpereigenen Gallensäure Ursodeoxycholsäure, welche den Gallenfluss anregt. Doch handelt es sich hierbei um eine symptomatische Therapie, eine Heilung der Grundkrankheit wird nicht erwirkt.
Die günstigsten Behandlungserfolge werden jedoch erreicht, wenn bei den Patienten mit PSC auf endoskopischem Wege die Verengungen der Gallenwege aufgeweitet werden, so dass die Gallenflüssigkeit wieder besser abfließen kann. Parallel dazu werden die Patienten mit Ursodeoxycholsäure therapiert. Insgesamt kann dadurch das Fortschreiten der Erkrankung deutlich gebremst werden, eine Lebertransplantation ist seltener und erst nach längerer Krankheitsdauer erforderlich.

Fettleber

Eine der häufigsten Veränderungen der Leber ist die sogenannte Fettleber. Dieser Begriff beschreibt eine Leberzellverfettung, also die vermehrte Einlagerung von Fettstoffen (Triglyceriden) in die Leberzellen. Ursache ist eine chronische Schädigung der Leber, welche in der Mehrzahl der Fälle durch einen übermäßigen Alkoholgenuß bedingt ist. Meßbar ist die Leberschädigung über eine Erhöhung der Leberwerte im Blut.
Bei der Fettleber handelt es sich um ein Krankheitsbild, das sich, anders als etwa die Leberzirrhose, wieder zurückbilden kann. Wird der Alkoholkonsum gestoppt, so kann sich die Situation in der Leber infolge der hohen Regenerationsfähigkeit dieses Organs oft wieder normalisieren.
Nicht immer ist übrigens Alkohol die Ursache einer Fettleber. Zunehmend wird derzeit unter Wissenschaftlern über ein anderes Krankheitbild, die sogenannte NASH, also die nicht alkoholische Steatohepatitis diskutiert, eine Art Fettleber mit gleichzeitig entzündlichen Veränderungen, die nicht auf einem erhöhten Alkoholkonsum beruht. Die Ursachen für NASH sind nicht konkret bekannt, doch tritt das Krankheitsbild vor allem bei Übergewichtigen auf. Eine der wichtigsten Behandlungsmaßnahmen ist deshalb die Gewichtsreduktion. Als einzig weitere Therapieoption ist bisher die Behandlung mit der Gallensäure Ursodeoxycholsäure beschrieben, die offenbar ebenfalls zu einer Rückbildung von NASH beitragen kann.

Leberzirrhose

Die Leberzirrhose (Schrumpfleber) stellt das Endstadium verschiedener chronischer Lebererkrankungen wie der Hepatitis oder der cholestatischen Lebererkrankungen dar. Auch alkoholische Schäden münden sehr oft in einer Leberzirrhose. Grundlage der Erkrankung ist eine Schädigung und der Untergang zahlreicher Leberzellen, die trotz der hohen Regenerationsfähigkeit des Organs nicht ersetzt werden können. Die Leberzellen werden zudem durch bindegewebige Anteile regelrecht eingeschnürt und damit von einer optimalen Versorgung abgeschnitten. Schließlich schrumpft auch das Bindegewebe, die Leber verkleinert und verhärtet sich.
Die Leberzirrhose verläuft schleichend und zunächst ohne dramatische Beschwerden. Mit fortschreitender Erkrankung aber stellen sich charakteristische Symptome ein wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Müdigkeit, Schwächegefühle und allgemeines Unwohlsein.
Eine heilende Behandlung der Leberzirrhose ist, abgesehen von der Lebertransplantation, nicht bekannt. Bei der Therapie geht es primär darum, schädigende Substanzen wie zum Beispiel Alkohol konsequent zu meiden, um den Krankheitsprozess nicht noch zu forcieren. Sehr wichtig ist ferner die Behandlung von Krankheitskomplikationen wie zum Beispiel der hepatischen Enzephalopathie.
Hepatische Enzephalopathie
Eine der Funktionen, die die Leber übernimmt, ist die Entgiftung unseres Körpers. Im Falle einer Leberzirrhose kann die Leber dieser Aufgabe nicht mehr voll nachkommen und es kommt zur Anreicherung von Giftstoffen (insbesondere Ammoniak) in den Körpergeweben und im Gehirn. Das kann zu einer Beeinträchtigung der geistigen Fähigkeiten führen, die Mediziner sprechen in einem solchen Fall von einer hepatischen Enzephalopathie.
Diese sehr häufige Komplikation der Leberzirrhose entwickelt sich jedoch nicht schlagartig, sondern langsam und schleichend. Sie wird deshalb meist geraume Zeit nicht wahrgenommen, weder vom Betroffenen selbst noch von seiner Umwelt. Dies ist jedoch keine ungefährliche Situation insbesondere wenn die Betroffenen am Straßenverkehr teilnehmen, ein Auto steuern oder an gefährlichen Maschinen arbeiten. Dabei ist zu bedenken, dass die hepatische Enzephalopathie eine vergleichsweise häufige Komplikation darstellt. Immerhin weisen rund 70 Prozent derjeniger, bei denen eine Leberzirrhose nachgewiesen wurde, bei genauerer Untersuchung Anzeichen einer Störung des Gehirnstoffwechsels auf.
Im weiteren Verlauf der Komplikation kommt es schließlich erkennbar zu Ausfällen, die handwerklichen Fähigkeiten nehmen ab, die Patienten schlafen schlecht und sie reagieren leicht nervös und reizbar. Unbehandelt droht ihnen das Koma und im schlimmsten Fall der Tod.
Sehr wichtig ist es, die hepatische Enzephalopathie früh zu diagnostizieren und das nicht nur wegen der Gefährdung des Patienten im Straßenverkehr oder im Berufsleben, sondern auch, weil die Störung sich in aller Regel gut behandeln und zurückbilden läßt. Hauptziel der Therapie ist die Normalisierung der geschilderten Veränderungen, was durch eine Ammoniakentgiftung des Organismus und eine Verbesserung der Ernährungssituation gelingt. So wird zunächst die Proteinzufuhr gedrosselt. Günstig wirkt sich die Behandlung mit Eiweißbausteinen, den sogenannten verzweigtkettigen Aminosäuren (z. B. Falkamin Pellets) aus. Sie verbessern die Ernährungslage, optimieren den Leberstoffwechsel sowie die Stickstoffbilanz im Darm und tragen zu einer Rückbildung der Symptomatik bei. Parallel dazu sollte versucht werden, die Ammoniumspiegel im Darm zu reduzieren. Standardmäßig erfolgt deshalb eine Behandlung mit Lactulose, welche eine milde Darmreinigung bewirkt. Unter dieser Strategie zeigt sich bei 70 bis 80 Prozent der Patienten eine deutliche Besserung der klinischen Symptome.
Weitere Informationen zu Lebererkrankungen sind über die Patientenorganisation "Deutsche Leberhilfe e.V." unter www.leberhilfe.org erhältlich sowie über den "Verein Selbsthilfe Lebertransplantierter Deutschland e.V." unter www.lebertransplantation.de